Der Flughafen von Helsinki wirbt mit neuartigem Wellness-Angebot um Transitpassagiere
Quelle: http://www.nzz.ch/magazin/mobil/sauna_mit_freiem_blick_aufs_rollfeld_1.4343246.html
Bei einer Zwischenlandung in Helsinki haben Passagiere seit neustem die Möglichkeit, sich in einem Wellness-Bereich zu entspannen. Mit dem neuen Terminal will man sich für den erhofften Wiederaufschwung im Airline-Geschäft rüsten.
bbu. ⋅ Nicht umsonst ist Sauna das einzige Wort der finnischen Sprache, das weltweite Verbreitung gefunden hat. Um in einer richtigen finnischen Sauna schwitzen zu können – und auch diverse andere Wellness-Annehmlichkeiten auszuprobieren –, genügt nun aber schon eine Zwischenlandung auf dem Flughafen von Helsinki.
Mitte Dezember wurde dort nach Investitionen von über 150 Millionen Euro ein neuer Terminal eröffnet, der den Transitpassagieren die Möglichkeit bietet, von dem zu profitieren, was bis anhin noch kein anderer Airport im Angebot hat: von einem in gewohnt gepflegtem finnischem Design gestalteten Wellness-Bereich («Via Spa») mit Saunaräumen, Dampfbädern, Pools und unterschiedlichsten Massagen. Ein Jetlag und die sonstigen ermüdenden Effekte einer langen Flugreise sollen sich so wirksam therapieren lassen. Und von der Sauna aus lässt sich durchs Fenster der Flugbetrieb auf dem Vorfeld im Auge behalten.
Randlage zum Vorteil machen
Die Botschaft, welche Finnair und der Flughafenbetreiber Finavia mit dieser innovativen Pioniertat aussenden wollen, dürfte klar sein: Ein Flug mit Umsteigen in Helsinki soll kein notwendiges Übel sein, sondern im Gegenteil speziell attraktiv.
Der Airport Helsinkis hat schon vor vielen Jahren eine Marktnische für sich entdeckt, indem er sich als besonders geeignetes Transit-Sprungbrett für Flüge in den süd- und ostasiatischen Raum anpreist. Finnair ist es dabei gelungen, den Nachteil der eigenen Randlage in Europa geschickt in einen Vorteil umzudeuten und die Kleinheit des eigenen Heimmarktes – das skandinavische Land hat weniger Einwohner als die Schweiz – zu kompensieren: Von Finnland aus ist beispielsweise die indische Hauptstadt Delhi in nur 61/2 Stunden mit dem Flugzeug zu erreichen, Peking in nur 7. Auch die Distanz zu anderen ostasiatischen Metropolen von Bangkok bis Tokio ist merklich kürzer als von Mitteleuropa aus.
Weil Helsinki ziemlich genau auf dem Grosskreis – der kürzesten Verbindung zwischen zwei Punkten auf dem Globus – zwischen New York und Delhi liegt, bedeutet etwa der Flug mit dem Stop-over in der finnischen Hauptstadt keinen Umweg zwischen der amerikanischen Ostküste und dem indischen Subkontinent. Und sogar von Mitteleuropa aus fliegt man Richtung Asien immer in die richtige Richtung, wenn das erste Etappenziel Helsinki heisst.
Dieses zentrale Argument verwendet Finnair bei seiner Werbung für seinen Hub Helsinki neben einem nicht weniger gewichtigen: Der Airport von Finnlands Hauptstadt ist relativ überschaubar, und das Pistensystem hat noch üppige Kapazitätsreserven. Dies verspricht den Reisenden im Vergleich zu Mega-Airports anderswo einen stressfreien Transit und den Airlines von wenig Verspätungen geprägte Flugoperationen.
Bereit für Wiederaufschwung
Inzwischen befördert Finnair jährlich über eine Million Transitpassagiere, die in Helsinki Richtung Asien umsteigen. Mit einem Anteil von nicht weniger als 60 Prozent der Flugbewegungen auf dem Heimatflughafen ist Finnair dabei noch ein richtiger «flag carrier», wie er anderswo kaum mehr existiert. Dennoch spüren auch die Finnen gegenwärtig die Krise: Wie bei der Eröffnung des neuen Terminals am 11. Dezember bekanntgegeben wurde, wird auch Finnair dieses Jahr in die roten Zahlen fliegen. Für den erhofften Wiederaufschwung im Airline-Geschäft will man aber gerüstet sein – und den Transitpassagieren etwas anbieten, was sie sonst nirgendwo in dieser Art finden können.
Die Benutzung des Via Spa kostet 45 Euro. Für Passagiere der Businessclass von Finnair und für Inhaber einer Oneworld / Finnair Plus Platinum oder Plus Tier Card ist sie kostenfrei.